AP

Attachment Parenting (AP) hat nicht zu „funktionieren”!

Ich habe die letzten Tage öfters Beiträge über AP gelesen und ehrlich gesagt, mir stellen sich die Nackenhaare auf wie es in manchen Beiträgen runter gemacht wird. Da ist die rede von Pflichten, strengen Regeln und Selbstaufgabe der Mutter. Ich habe noch nie solch einen Blödsinn gehört/gelesen! Nichts davon hat auch nur im entferntesten mit AP zu tun. Wer sich mal die Mühe macht und seriöse Quellen über AP ansteuert, der würde das selbst raus finden. Stattdessen wird fröhlich unter diesen falschen Informationen gelikt. Dieser Beitrag spiegelt meine persönliche Meinung wieder, so wie ich AP sehe. Bitte nicht zerreißen wenn vielleicht doch nicht alles perfekt ist. Nett gemeinte Kommentare und Verbesserungen sind aber gerne willkommen.

Attachment Parenting (AP) hat nicht zu „funktionieren”!

Wie Du vielleicht weißt, erziehe ich mein Kind mittlerweile autoritativ (der goldene Mittelweg – von allem ein bisschen), aber das schloss niemals aus das ich, als mein Kind noch ein Baby war, nicht instinktiv nach AP gehandelt habe. Den nichts anderes ist AP. Ein instinktives reagieren der Mutter/des Vaters auf Bedürfnisse eines Babys. Es ist kein Programm das man durchspielt und das entweder funktioniert oder nicht. Nein, damit hat AP überhaupt nichts zu tun und bei AP verlangt auch keiner dass das spätere Kleinkind super einfach ist. Mit AP kann man einen Menschen nicht formen, mit AP stillt man natürliche Bedürfnisse eines Babys. Nicht mehr und nicht weniger!

Man muss sich das mal so vorstellen: ein Baby ist neun Monate lang im geschützten Bauch der Mutter. Nix kann ihm passieren, es wächst friedlich heran. Die Mutter achtet auf das Baby, sie schützt es wo sie nur kann, ihr Körper nährt das Baby, das hat die Natur so eingerichtet. Das Baby ist ganz nah unter ihrem Herzen, so und nicht anders kennt es seine kleine Welt.

Dann kommt der Tag der Geburt: plötzlich ist alles so seltsam, viele Menschen stehen um das Baby herum, es ist so hell und laut und das Baby weiß nicht mehr was los ist. Es hat Angst. Aber dann legt man es der Mutter auf den Bauch und es erkennt deren Geruch, weiß plötzlich, ich muss keine Angst haben, hier ist die Nähe die ich kenne: „Bitte Mama halt mich gut fest, so geht es mir gut!“. Ab da beginnt AP…die Nähe außerhalb des mütterlichen Bauches.

Jeden Tag lernt das Baby mehr und mehr von seiner Umwelt kennen, entwickelt eine Persönlichkeit, hat Vorlieben und Abneigungen. Manche Babys lieben das Stillen, manche mögen lieber die Flasche. Es gibt Babys die bevorzugen das Tragen, anderen ist diese Nähe vielleicht schon wieder zu viel geworden und möchten lieber neben der Mutter liegen und beim Spazierengehen die Welt aus einem Kinderwagen heraus bestaunen. Das eine Baby liebt es ganz nah bei, oder vielleicht sogar auf Mama zu schlafen, ein anderes findet das doof und will in sein eigenes Bett.

Es gibt Babys die möchten außer der Mama niemanden bei sich haben, lassen sich nicht gerne zu der Oma bringen, selbst ablegen finden sie nicht schön. Die anderen Babys finden aber vielleicht gerade das ganz toll.

Alles persönliche Vorlieben und nichts davon schließt AP aus.

Das kann ein Baby aber nur durch eine Sache mitteilen: durch weinen! Es will uns damit sagen: “Hey, da gibt es etwas das ich gerade brauche!“, oder: “Mensch das finde ich jetzt aber nicht so toll!“. Deshalb sollte man Babys nicht einfach weinen lassen. Sie tun das nicht weil sie uns beeinflussen wollen, es ist ihre Sprache, ihre einzige bisherige Sprache die sie können und wenn DU etwas möchtest, dann findest Du es sicher auch nicht so prickelnd wenn die andere Person Dich dann völlig überhört/übergeht/Dich einfach stehen lässt.

Das ist für Dich selbstverständlich, trotzdem schüttelst Du wahrscheinlich den Kopf und sagst: „Was schreibt sie denn da? Was hat das mit AP zu tun? Bei AP geht es darum, dass man das Baby nicht ablegen soll, man muss es immer tragen und stillen und geschlafen wird nur im Familienbett!“.

Sorry alles quatsch!

Ich bin Leihe, habe AP nicht studiert, damals noch nicht mal darüber gelesen, habe immer nur instinktiv gehandelt und möchte mir trotzdem jetzt die Freiheit herausnehmen und Dir in meinen Worten sagen was AP ist:

Es ist die natürlichste Art, wie man seinem Baby zeigen kann das man es liebt!

Und es spielt überhaupt keine Rolle ob man sein Baby trägt oder im Wagen schiebt. Ob man es stillt oder die Flasche gibt, obs im eigenen Bettchen schläft oder im Familienbett. Sondern man sollte einfach mal auf die Signale (sein weinen zum Beispiel) hören die das Baby sendet. Wenn man ganz genau darauf achtet, dann sagt einem sein Baby schon was es gerne möchte und genau darauf kommt es beim AP an: man achtet auf die Bedürfnisse des Babys.

Du bist erwachsen, kannst tun und lassen was Du möchtest, Du kannst das schon, hast es gelernt. Dein Baby nicht! Aber höre doch mal in Dein Herz hinein. Hat nicht auch schon ein ganz kleines Baby das Recht zufrieden sein?

Und für alles andere gibt es doch sicher auch eine Lösung, oder? AP heißt doch nicht das Du Dich völlig aufgeben musst. Auch Dir stehen die gleichen Bedürfnisse zu wie Deinem Baby. Und habe keine Angst: in dem Du Deinem Baby Nähe und liebe schenkst, Dich um es kümmerst bei allem hilfst was es selbst noch nicht kannst, Du kannst es nicht verziehen. Babys wissen noch gar nicht was es heißt zu beeinflussen. So was ist ihnen völlig fremd. Das erkennen sie erst später. Bis dahin will es einfach nur leben, lieben und entdecken.

Ich möchte mal beschreiben wie das bei uns war:

Als meine Tochter auf die Welt kam wollte ich stillen aber es klappte nicht. Erst fühlte ich mich deshalb schlecht, aber dann akzeptierte ich das Fläschchen. Ganz nah in meinem Arm lag die kleine Mausi, direkt unter meinem Herzen. Wir schauten uns in die Augen, ich küsste ihr Köpfchen, wir waren uns so nah und beide so glücklich. Du siehst, es muss gar nicht unbedingt stillen sein, auch mit Fläschchen ist die innige Beziehung zwischen uns gewesen.

Ich wollte tragen, hatte sogar eine Manduca da, aber mein Rücken ließ es absolut nicht zu. Ich hatte sogar schon die Last sie nur kurz in der Wohnung von a nach b zu tragen. Es zerbrach mir fast das Herz, aber was machte ich? Ich legte überall weiche Decken hin und legte mich einfach ganz nah zu meiner Tochter. Wir verbrachten soviel Zeit beim Kuscheln und schenkten uns Liebe und Geborgenheit. Wenn ich auf Toilette bin habe ich sie immer in einer kleinen Wiege mitgenommen, mit ihr gesprochen, ihr erklärt warum Mama gerade nicht neben ihr liegen kann. Selbiges beim Haushalt machen. Sie war in jedem Raum dabei und ich redete mit ihr was das Zeug hält. Zeigte ihr was ich tue. Mir war schon klar das sie noch nichts davon begriff, aber darum ging es ja auch gar nicht, sondern einfach darum das sie merkt das Mama da ist obwohl sie gerade nicht auf den Arm kann. Auch wenn sie mal weinte, wenn es gerade nicht ging bei ihr zu liegen, dann redete ich beruhigend auf sie ein. Sie sollte immer spüren das Mama trotzdem da ist.

Auch musste ich wegen meinem Rücken einen Kinderwagen nehmen. Anfangs war es komisch für sie und sie weinte. Ich bin ganz nah zu ihr hin, schmiegte mich, so gut es ging an sie und beruhigte sie, bis sie spürte das Mama da ist, dass sie keine Angst haben muss.

Was ich damit sagen möchte: vielleicht wäre Mausi ein Trage-, Stillkind gewesen, aber mir wars körperlich nicht möglich. Lösungen mussten her die für uns alle nach und nach stimmig waren und trotz dieser Lösungen handelte ich instinktiv nach AP, denn ich verlor eins nie aus den Augen: Nähe und Geborgenheit für mein Baby weil es das braucht. Ich habe mich nicht bis zur Erschöpfung gequält, habe nicht Dinge getan die ich nicht zustande brachte und trotzdem lebte ich nach AP.

Erstaunt? Dann bin ich schon mal beruhigter, denn jetzt habe ich Dich hoffentlich neugierig gemacht und kann es nochmal ganz deutlich sagen:

AP ist NICHT völlige Aufgabe der Mutter, sie wird zu nichts gezwungen, muss nicht wider ihrer Natur handeln!

AP ist NICHT ausschließlich tragen, stillen, Familienbett!

Mit AP kann man sein Kind NICHT verziehen oder negativ verwöhnen!

AP ist Nähe schenken, Liebe zeigen, auf Bedürfnisse achten und
einfach glücklich sein mit seinem Baby, sich selbst und der ganzen Familie!

About Nicole

Baujahr 1975, Mama von Mausi (09/13), altmodisch im Denken (eckt deshalb häufig an, steht aber dazu), liebt Landleben/hasst Städte, Leben&Leben lassen ;-). Ich schreibe bei LiNiChri über alles was mit Kindern zu tun hat, aber auch ein bisschen über meine Angsterkrankung und HSP.

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